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Willkommen in diesem Haus Gottes...

Willkommen in diesem Haus Gottes... Eine Reise nach Sarajevo – es berichtet Johannes Steinmüller Kenntnis- und ahnungslos trat ich diese Reise an. Eigentlich wollten Jürgen Werth und ich die seit einem Jahr über unseren Verein angestellte und ausgesandte Susy Müller nach ihrem Weihnachtsurlaub „nur“ wieder an ihre Wirkungsstätte zurückbringen.

Natürlich erhofften wir uns auch einen persönlichen Eindruck von ihrem Dienst und ihrem Umfeld, wenngleich das von vornherein für diese Kurzreise äußerst beschränkt erschien. Nur ein Tag vor Ort sollte es sein, da unser beider Kalender nicht mehr Zeit hergab.

Susy war vor Jahren auf einer Teenierüstzeit durch eine Lehreinheit über Mission von Gott so persönlich angesprochen worden, daß sie seitdem im Fragen war, wie, auf welche Weise und wo sie denn eines Tages von Gott gebraucht werden sollte. Durch einen Internetkontakt ihres Bruders kam sie in Verbindung mit einem Missionswerk in Sarajevo, das unter Roma arbeitet. Inzwischen ist sie seit zwei Jahren Mitarbeiterin dieses Teams.(siehe Aufwind Als die Frage zu mir kam, Susy zurückzubringen, war ich erst sehr zurückhaltend in Anbetracht der Tatsache, daß eine solche Fahrt über 1300 km Anfang Januar durchaus sehr schwierig sein kann.

Wir holten Susy mit ihrem persönlichen Gepäck am Sonntagabend in Falkenau bei ihren Eltern ab und fuhren nach Tauscha zur Übernachtung. Dort hatten wir einige Hilfsgüter bereitgestellt, darunter auch einen Kopierer, Kindersachen und Lebensmittel.

Wir packten bzw. puzzelten das Fahrzeug voll bis unter das Dach und beschlossen, am Montagmorgen in Ruhe zu starten. Aber wir kamen nicht wirklich zum Schlafen. Gegen 2.00 Uhr gab Jürgen das Aufbruchssignal. Auf den zu dieser Zeit leeren Straßen und Autobahnen kamen wir gut voran. Den wunderbaren Sonnenaufgang bei frostigem klaren Wetter erlebten wir schon in den österreichischen schneebedeckten Alpen.

Willkommen in diesem Haus Gottes...Unsere kurze Mittagsrast machten wir in Slowenien, überquerten auch die kroatische Grenze problemlos und waren am Nachmittag an der bosnischen Grenze. Hier interessierte sich der freundliche Zöllner sehr für unsere Ladung und wollte wissen, was unsere Ladung wert sei. Daß wir nichts dafür bezahlt hätten, kam in seinem Denken nicht vor: „Entweder Sie haben das gekauft oder geklaut“. So erklärten wir ihm anhand unserer vorbereiteten Unterlagen, wer wir sind. Susy gab ihm ihre Aufenthaltserlaubnis und dann durften wir nach einem freundlichen Wortwechsel auch weiterfahren. Mit dieser Grenze veränderte sich vieles.
Die Fahrt verlief zuerst durch die Serbische Republik innerhalb Bosnien-Herzegowinas, in der alle Hinweisschilder kyrillisch geschrieben sind. Wir konnten erst im Laufe der Fahrt und noch danach viele Informationen über Bosnien, den Bosnienkrieg (1992-95) und die Geschichte der Region zusammenordnen. So verstanden wir, daß den einzelnen ethnischen Gruppen überwiegend auch eine Kirchenzugehörigkeit bzw. Religion zugeordnet werden kann. Serben rechnen sich der serbisch-orthodoxen Kirche, Kroaten der katholischen Kirche und Bosnier den Moslems zu. Mitunter führt aber schon allein die Herkunft eines Menschen aus einem Siedlungsgebiet zu einer Zuordnung, die mitunter gar nicht zutreffend sein muß und dadurch das Konfliktpotential bzw. die Verwirrung durch diese Annahme oder dieses Vorurteil vergrößert.

Susy klärte uns erstmal auf, daß wir ab Landesgrenze nicht mehr die befestigten Straße und Wege verlassen dürften. Zu groß ist die Gefahr, auf eine der Minen zu geraten, die in den geschätzten 1800 nicht immer markierten Minenfeldern liegen. Unübersehbar legten die längs der Straße zerstörten und ausgebrannten Häuser Zeugnis vom Elend dieses kaum 10 Jahre zurückliegenden Krieges eine Tagesreise weit, „vor unserer Haustür“ ab. Viel Polizei war präsent auf dieser Fahrt durch dieses wunderschöne hügelige bis gebirgige Land. Im bosnischen Teil boten uns die wechselnden Ortsansichten, mal mit Moscheen und Minaretten, dann wieder mit Kirchen, ein ungewohntes Bild.

Willkommen in diesem Haus Gottes...Die letzten ca. 50 Kilometer begleitete uns dicker Nebel bis nach Sarajevo, wo wir nach knapp 15 Stunden Fahrt eintrafen. Eine gläubige Armenierin mit ihrer Tochter hatte das Haus gehütet, weil das Leiterehepaar mit ihren drei Kindern noch nicht aus Deutschland zurückgekehrt war. Sie hatte uns eine schmackhafte armenische Suppe vorbereitet, die uns in dem kalten Haus zumindest innerlich wärmte.

Danach ging es ans Heizen (alles ausschließlich mit Hartholz) und Ausladen. Nach elf Stunden Tiefschlaf und einem gemütlichen Frühstück gingen wir den Tag an.

Nach einer kurzen Besprechung mit Goran, dem serbischen Roma-Mitarbeiter begleiteten wir Susy zur Bank und anschließend zur polizeilichen Anmeldung, die für alle Ausländer vorgeschrieben ist. Auf der Fahrt in die Innenstadt kamen wir auch an der Müllkippe vorbei, auf der eine Roma-Sippe von der Mülltrennung lebt, zu der die Mission auch regelmäßigen Kontakt hält. Danach besichtigten wir einen Tunnel, der für die in der Stadt von Serben eingeschlossenen 300.000 Menschen in der Belagerungszeit die einzige Lebensader war. Von Hand gegraben, ca. 800 Meter lang, führte er unter dem damals von der UN besetzten Flughafen hindurch. Ca. 20 Tonnen Material pro Nacht, Treibstoff, und Elektrizität sicherten das Überleben der Stadt, die unter fortwährendem Beschuß durch das Militär von den Sarajevo umgebenden Bergen stand.

Längs eines stark vermüllten Bachlaufes, vorbei an der riesigen EUFOR- und der UN-Basis fuhren wir auf sehr schlechten Straßen dann die Straße entlang, die die Wohngebiete von Serben und Bosniern trennte. Lange Zeit mußten Leute hier die Taxis wechseln, um auf eine andere Seite zu gelangen. Unser Weg führte uns vorbei an der größten Moschee des Balkan zum jüdischen Friedhof mit eindrucksvollen Grabanlagen. Von dieser etwas höher gelegenen Position hatten wir einen großartigen Blick auf die unter uns im Vormittagsnebel liegende Stadt. Wiederum erreichten uns Bilder und Informationen, die uns neu waren bzw. die ich erst im Nachhinein recherchierte: Vor uns lag eine Stadt, deren Bild wesentlich von Minaretten geprägt war. Susy sagte uns,daß es ca. 400 Moscheen in der Stadt gäbe. Aber auch, daß man von Sarajevo als dem Jerusalem des Balkan spricht, von Bergen umgeben und in dieser Mischung der Kirchen bzw. Religionen.

Die Stadt lag immer an der Grenze zwischen Ost- und Westkirche, also der orthodoxen und römisch-katholischen Kirche, die sich 1054 getrennt und öffentlich verflucht hatten. 1483 kam es unter osmanische (nach dem Türken Osman I. benannt), also moslemische Herrschaft, unter der es ca. 400 Jahre verblieb.

Es herrschte zwar im Grundsatz Religionsfreiheit, aber die Christen wurden gezwungen, hohe Steuern zu zahlen und Agrarprodukte zu liefern. Man beließ ihnen jedoch die Freiheit, ihre Religion auszuüben. Die Unterdrückung übersteigt in mancher Beziehung die Vorstellungswelt der Menschen unserer Zeit. Erwähnt sei an dieser Stelle nur die ,,Knabenlese“, eine von den Moslems erdachte ,,Sonderabgabe“ für die Christen. Die türkischen Janitscharen (Streitkräfte) zwangsrekrutierten in den christlichen Dörfern jedes dritte, fünfte und siebte Jahr Knaben, die sie dann entführten, moslemisch erzogen und als Janitscharen gegen die eigenen Angehörigen als Soldaten kämpfen ließen.

Merkwürdig ist, daß die Osmanen den aus Spanien 1492 vertriebenen Juden Siedlungsrecht anboten. Auf diese Weise entwickelte sich in Sarajevo das sephardische Zentrum Europas, das erst im Holocaust unterging.

Unter dem geschichtlichen Eindruck ist der Bosnienkrieg leider nur die letzte einer über Jahrhunderte fortgesetzte Auseinandersetzung.

Und während des Stadtrundgangs durch die Innenstadt und den orientalischen Basar und angesichts der belebten Moscheen und der weithin über die Stadt erschallenden Minarettrufe „Allah hu Akba“ wird uns der Anspruch des Islam bewußt. Die Frage ist nur, auf welche Weise diesem Anspruch seitens der Christen zu begegnen ist.

Willkommen in diesem Haus Gottes...Fast wie eine Antwort auf diese unausgesprochene Frage ist dann für uns der Besuch bei einer Roma-Familie. Zunächst ging es wieder durch die noch immer von der Kriegseinwirkung gezeichnete Innenstadt steil aufwärts auf die Vraza-Hügel, die damalige Frontlinie, vorbei an vielen Ruinen, die inzwischen meist von Roma-Familien genutzt werden. Wir mußten das Auto oben auf dem schmalen Weg stehenlassen, stiegen zu Fuß wieder hinab zu dem im Bau befindlichen Haus am Steilhang. Es war mehr wie eine Betongarage, ohne Dach, der Innenraum ohne Farbe, der Fußboden mit einem Teppich ausgelegt, zwei Sofas mit einem kleinen Tisch davor, eine Kochstelle, alles Küchengeschirr auf dem Fußboden und eine Stehlampe, deren Anschluß quer durch den Raum gelegt wurde. Der Familienvater hatte uns mit strahlenden Augen herzlich begrüßt mit den Worten: „Willkommen in diesem Haus Gottes“. Die drei Kinder hängen sofort an Susy. Ihr Umgang mit ihnen und die Freude der Gastgeber über den Besuch machen uns die Echtheit und Tiefe der Beziehung deutlich. Susy besucht viele solcher Roma-Familien, unterrichtet die Kinder, unterweist sie in hygienischer Hinsicht, betreut sie als ausgebildete Krankenschwester auch medizinisch, singt und betet mit ihnen. Sie spricht bosnisch und übersetzt für uns das Erzählen des Mannes. Sein Bruder kam dazu und dann auch ihre Mutter, die noch nicht gläubig ist.

Vor seiner Bekehrung, die drei Jahre zurückliegt, war die Familie in einem schlimmen Zustand. Er trank, war jähzornig, schlug und verletzte seine Frau mit dem Messer in furchtbarer Weise. Ein Kind kam dabei ungeboren ums Leben. Nachdem er sein Leben unter die Herrschaft Jesu gestellt hatte, kam Heilung in die Ehe und in das Leben seiner Frau, aber er bekam nun mit seiner Sippe Probleme, die ihn fertigmachte, ihn deswegen oft verprügelte. Er fühlte sich einsam und schüttete sein Herz darüber oft Gott aus, bis Jesus ihm sagte, daß auch sein älterer Bruder gläubig werden würde. Dieses Geschehen war gerade drei Wochen her. Der Bruder sagte, daß er die Veränderung im Leben seines Bruders gesehen habe und diese Veränderung wollte er auch erleben. Seine Bekehrungsgeschichte gab uns nochmal Einblick in die Art und Weise dieser Missionsarbeit, die ihre ganz eigenen Herausforderungen hat. Was rät man einem Mann, der sich bekehrt, aber mit zwei Frauen verheiratet ist?

Die meisten Menschen in diesem Land sind vom Kriegsgeschehen gezeichnet und teilweise schlimm traumatisiert.

Umso deutlicher wurde uns, daß Jesus inmitten dieser Not und dem Anspruch des Islam Menschen in seine Nachfolge ruft und die gelebte Nachfolge Jesu andere einlädt! Was mich noch lange bewegt hat, ist die Tatsache, daß es keinen Wohlstand und eigentlich keine Hilfsmittel braucht, um solch ein Zeugnis zu leben. Daß uns diese Wahrheit doch immer wieder neu ins Herz fallen möchte!Es wurde Abend, als wir uns auf den Weg machten, wieder hinunter in die Stadt auf schmalen glatten Wegen, die nur für ein Fahrzeug Raum hatten. Zweimal mußten wir zurücksetzen und uns eine Hauseinfahrt suchen, um den Gegenverkehr passieren zu lassen.

Auf Empfehlung der Familie suchten wir in der Stadt noch ein sehr kleines exotisches Lokal auf, in dem wir überreichlich und gut orientalisch essen konnten. Wir fühlten uns wie in „tausendundeiner Nacht“, bei Papageien und einem Affen, den der Wirt am Ende sogar für uns noch aus dem Käfig holte und auf einen Tisch setzte.

Dann war es aber auch schon an der Zeit, zum Gebetsabend aufzubrechen. Er fand in der Wohnung des Missions-Mitarbeiters Goran statt. Als wir in den Flur des kleinen Hauses traten, hatten wir Mühe, über den großen Haufen Schuhe zu steigen, der den Flur blockierte. Wir fragten uns im Stillen schon, wem denn all die Schuhe gehörten, als wir im Wohnzimmer von vielleicht 25 Quadratmetern die Antwort vorfanden. 30 überwiegend junge Leute saßen da, die meisten (für zwei Stunden!) auf dem Fußboden. Was wir dann erlebten, war einfach eine sehr gute Zeit von Gemeinschaft, scheinbar ohne straffes Programm, aber voller Leben: Freundliche Begrüßung, klare Zielvorgabe für die jungen Leute (es geht uns hier allein um Jesus, nicht um Kontaktsuche untereinander), Einladung zu Zeugnissen, Sammlung von Gebetsanliegen (für Zahnschmerzen wurde sofort persönlich gebetet) und gemeinsamer Lobpreis in sehr angenehmer Weise. Ca. 50 % der Leute waren als bosnische Flüchtlinge einige Jahre in Deutschland, sprachen teilweise sehr gut deutsch. Von einigen hörten wir, daß sie hier in Deutschland zum Glauben gekommen sind und nun in ihrem Land ihren Glauben bezeugen. Auch am Abend erlebten wir unsere sonst so zurückhaltende Susy in einer sehr souveränen Weise, die uns nochmal deutlich machte, daß sie an dem Platz ist, an den sie Gott gerufen hat. Man könnte ihren Dienst damit beschreiben, daß sie Menschen dient und auch andere dazu anleitet.

Gerne möchten wir alle Leser dazu einladen, den Dienst dieser Missionsmitarbeiter in diesem moslemischen Umfeld zu umbeten.

Es war dann für uns spätabends (!) nochmals ein besonderes Erlebnis, backofenfrische Brötchen bei einem Bäcker für unsere Rückfahrt am nächsten Tag zu bekommen. Diese begannen wir wieder früh am Tag um 3.00 Uhr morgens, bei eisigen Temperaturen von –8 Grad und extrem dickem Nebel. Kein Fahrzeug war um diese Zeit unterwegs, als wir uns aus der Stadt und dem Land „heraustasteten“, immer auf der Suche nach der nächsten Leitlinie. Zweimal verfuhren wir uns und waren froh, es jedesmal bald gemerkt zu haben. Jede Kreuzung war wie eine Fahrt mit verbundenen Augen und das auf vielleicht 350 km auf der Heimfahrt.

Aber auch das war uns noch ein gutes Gleichnis, denn auch im geistliches Leben gibt es solche Nebelstrecken.

Da ist es überlebenswichtig, uns an den vorgegebenen Leitlinien des Wortes Gottes ausrichten zu können. Manchmal erkennen wir gerade noch das nächste für uns wichtige und hilfreiche Wort, daß uns Gott in seiner Liebe exakt für diese Situation erkennen oder im Herzen aufleuchten läßt, damit wir weiter vorankommen auf das Ziel zu, das er für uns hat.

Dankbar und müde sind wir am Abend gegen 20.00 Uhr wieder in Bautzen angekommen.
2007-12-13 02:11:03

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