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Zigeuner in der EU

Zigeuner in Europa, eine Identität unabhängig von Nationalgrenzen

„Ich habe erst hier in Bosnien nach unserer Rückkehr erfahren, dass ich eigentlich eine Zigeunerin bin!“ Jasmina Hasanovic, 19 Jahre alt, lebte fast sieben Jahre als Flüchtling in Deutschland. Gibt es so etwas wie eine gemeinsame Identität der Zigeuner über Nationalgrenzen und über Jahrhunderte erfahrener Verfolgung, Vertreibung, Trennung, Entmündigung, Umerziehung, Aberkennung von Rechten hinweg? Als Nicht-Zigeunerberechtigt uns einzig die Liebe zu diesem Volk, über sie zu schreiben und Antworten zu suchen.

Herkunft
„Holt die Wäsche rein, die Zigeuner kommen!“ Viele denken bei Zigeunern direkt an alle möglichen, über Jahrhunderte erhaltene Vorurteile. Sie gelten als Diebe, Landstreicher, Arbeitsscheue und Bettler. Über kein anderes Volk wissen die meisten so wenig und zugleich so viel Negatives wie über die Zigeuner.

20 Millionen außerhalb Indiens lebende Zigeuner sind über die ganze Welt, besonders innerhalb Europas, zerstreut. Sie kamen ursprünglich als Musikanten, Söldner, Metallschmiede und Sklaven (im 5. und 11. Jahrhundert) aus Nordwestindien, wo vermutlich ch weitere 40 Millionen Zigeuner leben. Ihre Herkunft fand man anhand der Sprachwurzeln heraus. Sie reisten durch Persien nach Kleinasien, in das Byzantinische Reich, Richtung Griechenland und erreichten im 15. Jahrhundert den Rest Europas. Die Sprache der Zigeuner weist neben dem indischen Ursprung auch Einflüsse aus dem Griechischen, Kurdischen und Persischen auf. Nicht zuletzt wegen ihrer Fremdartigkeit waren sie immer wieder Verfolgung und Vertreibung ausgesetzt. Die Zigeuner erhielten das Etikett „vogelfrei“. Noch bis 1855 blieben sie Sklaven in Rumänien. Viele Versuche, sie „umzuerziehen“ und sesshaft zu machen, wurden unternommen. Dies schloss auch Folterung und Tötung nicht aus. Einer systematischen Ausrottung waren sie unter dem Naziregime Adolf Hitlers ausgesetzt. 500.000 Zigeuner starben in den Konzentrationslagern. Die Benachteiligung als Volksgruppe hielt auch in der Nachkriegszeit an.

Zigeuner oder Roma? Vielleicht war es das byzantinische Wort „atciganoi“ für „Unberührbare“ oder das persische „ciganch“ für „Musiker und Tänzer“, das zu der Bezeichnung Zigeuner führte. Möglicherweise war es auch ein geschichtlicher Irrtum, denn sie wurden fälschlicherweise als Ägypter bezeichnet, als sie Europa erreichten. So kam es zu der englischen, spanischen und französischen Bezeichnung für „Zigeuner“ – gypsy, gitano, gitan. Das Wort Zigeuner gilt bei Vielen als Schimpfwort und so wählen wir lieber das aus dem Romanes abstammende Wort „Rom“ für Mensch (wir schließen damit verschiedene Gruppen wie die Sinti mit ein).

Verschieden und doch ein Volk Der Zwang zur Anpassung hatte Einfluss auf Religion, Kultur und Sprache. Roma gehören verschiedenen Religionen an. Daneben leben sie oft in einer spirituellen Welt von Okkultismus, Aberglauben, Zeichendeuterei, Ahnenkult, Riten und folglich in Angst und Gebundenheit.

Die Geschichte hat die Roma tiefes Misstrauen gelehrt. Vor allem gegenüber den Nicht-Roma, den so genannten „gadje“, aber auch gegenüber den nicht der eigenen Familie angehörigen Roma.

Misstrauen, Uneinigkeit und Zerstrittenheit sind schwer zu überwinden. Dadurch war es immer sehr leicht, dieses Volk zu unterdrücken. Sie hatten niemals einen eigenen Staat und führten keine Kriege. Innerhalb der verschiedenen Roma-Gruppen findet man sowohl Reiche wie Arme, Akademiker und Analphabeten, Künstler und Handwerker, Sesshafte und Umherziehende.

Die Großfamilie ist oft das Zentrum des Lebens, die Heimat eines heimatlosen Volkes. Auch Gruppen mit nomadischer Lebensweise kehren immer wieder in ihre Familien zurück. Die Alten werden geehrt und von ihnen wird Rat eingeholt. In wichtigen Angelegenheiten entscheiden sie. Auffällig sind ihre Gastfreundschaft und Großzügigkeit. Es gibt wohl keine Roma oder Sinti, deren Herzen nicht im Rhythmus der Musik schlagen. Dort drückt sich ihre Freiheit aus, ihr Talent für Bewegung, Kunst und Gefühl.

Roma kommen zum Glauben an Jesus Da Roma quasi in einer Welt übernatürlicher spiritueller Erfahrungen leben, sind sie auch offen für das übernatürliche Wirken Gottes. So etwas wie die größte Erweckung im Westen Europas begann nach dem 2.

Weltkrieg. Allein in Frankreich gibt es ca. 130.000 Gläubige. Das ist etwa ein Drittel der Roma-Bevölkerung. In Spanien entstanden 500 Roma-Gemeinden. 90.000 der insgesamt 600.000 Roma in Spanien sind getaufte Christen. Ähnliche Entwicklungen finden wir in vielen anderen europäischen Ländern. Gott hat dieses oft verachtete Volk nicht vergessen. Galten sie früher als Diebe und Trunkenbolde, so wird jetzt ihre Veränderung durch den Glauben an Jesus Christus wahrgenommen.

Dienst unter Roma Unser Weg führte uns in die Mission unter den Roma nach Bosnien. Wir wollen, dass die Roma eine lebendige Beziehung zu Jesus und ihre Identität in ihm finden. Wir wollen sie in ihren besonderen Begabungen fördern und zum Dienst im Reich Gottes unter ihrem eigenen Volk, aber auch gegenüber anderen Völkern freisetzen.

Astrid und Dr. Reinhold Harms leiten den Dienst der Vineyard Aachen (eine Gemeinschaft von ungefähr 150 Christen, die in lebendiger und zeitgemäßer Weise das Evangelium Jesu Christi leben möchten) unter Roma in Sarajevo. Es ist eine Gemeindearbeit entstanden, die in das Land hinein reicht. In diesem Rahmen kam es auch zur Zusammenarbeit mit dem CVJM Loebau. Beide kommen aus Stolberg im Rheinland und leben mit ihren vier Kindern im Alter von ein bis acht Jahren in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina.
(aus CVJM Pflugschar Heft 4-2004)

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